
Sommerferien in Italien – das klingt nach Leichtigkeit. Nach einem Espresso an der Bar, nach Sand unter den Füssen, nach Gelato in der Abendsonne. Alles wirkt entspannter: man nimmt sich Zeit fürs Gespräch, geniesst gutes Essen, lässt den Tag langsamer ausklingen. Das berühmte «dolce vita», das süsse Leben, hat seinen eigenen Charme.
Zurück daheim fühlt es sich oft anders an: Termine, volle Kalender, die Nachrichten auf dem Handy, die um Aufmerksamkeit leuchten. Statt Lebensfreude tritt Organisation und Druck an die Stelle. Und dann kommt sie wieder leise, die Frage: «Machen wir es eigentlich richtig?»
Es ist nicht nur eine Urlaubsfrage, sondern eine Grundfrage unseres Lebensstils. Wie gehen wir mit unserer Zeit um? Mit unseren Beziehungen? Mit unserer Arbeit? Mit unserer Freizeit? Viele von uns spüren, wir laufen Gefahr zu funktionieren, statt zu leben. Diese Sehnsucht nach dem «richtigen Leben» betrifft viele Bereiche. Eltern fragen sich: «Erziehen wir richtig?» Berufstätige grübeln: «Habe ich die richtige Entscheidung getroffen?» in Beziehungen fragen wir uns: «Habe ich den richtigen Ton getroffen?» Und auch im Glauben taucht die Frage auf: «Genügt mein Glaube? Lebe ich ihn echt?»
Eindeutige Antworten gibt es selten. Das Leben ist nicht wie ein Rezept, bei dem man nur die Zutaten abwiegen muss. Es bleibt offen, es bleibt unvollkommen. Und davon liest man auch in der Bibel. Sie erzählt nicht von Menschen, die alles perfekt machen. Und doch schreibt Gott Geschichte mit ihnen.
Das Entscheidende ist nicht, ob wir alles richtig machen. Sondern, ob wir unser Herz offen halten. Gott fragt nach unserer Haltung. Ob wir mit Liebe handeln, ob wir das Leben als Geschenk annehmen und ob wir den Mut haben diesen Weg zu gehen.
Vielleicht können wir vom «dolce vita» etwas lernen. Nicht Oberflächlichkeit, sondern den Wert des Augenblicks, die Gelassenheit. Das Vertrauen, dass nicht alles perfekt sein muss, um gut zu sein. Wir machen es richtig, wenn wir versuchen, mit Liebe zu leben. Und wenn wir scheitern? Auch dann kann Gott aus unseren Umwegen Neues entstehen lassen. Vielleicht ist es gut, wenn wir abends sagen können: «Herr, ich habe getan was ich konnte, den Rest lege ich in deine Hände». Dann wird unser Leben nicht perfekt, aber echt. Und das ist vielleicht das wahre dolce vita.
Ein herzliches Dankeschön an die Fragestellerin für die Frage, die sich in einem persönlichen Gespräch ergeben hat. Wenn jemand aus unserer Leserschaft sich auch manchmal eine solche Alltagsfrage stellt, darf gerne auch unser E-Mail-Postfach damit gefüttert werden. Wir haben zwischendurch Platz in unserem Pfarrblattteil, wo wir Raum haben, uns mit solchen Themen auseinander zu setzen.