
Es ist wieder WM-Zeit. Wir rechnen, wir hoffen, wir fiebern mit. Klar, am Ende will jeder diesen einen Moment: den Pokal in der Hand, den Goldregen, den perfekten Jubel. Aber wenn man mal ehrlich ist, sind es meistens gar nicht die glatten Siege, die uns am längsten begleiten. Es sind die bitteren Niederlagen.
Klingt paradox, aber Niederlagen haben eine ganz eigene Kraft. Ein Sieg ist wie ein kurzer Rausch und nicht selten entsteht im Nachgang eine Leere, die gleich mit einem neuen Ziel gefüllt wird. Wenn ein Spiel verloren geht und die Fans trotzdem im Stadion bleiben, wenn sie weiter singen, obwohl die Enttäuschung riesig ist, dann passiert etwas Besonderes. In diesem Moment zeigt sich, was eine Gemeinschaft wirklich wert ist.
Es ist leicht, zusammenzustehen, wenn alles läuft. Aber gemeinsam zu leiden, sich gegenseitig auszuhalten und sich zu sagen: „Wir stehen das jetzt zusammen durch“, das schafft eine Verbindung, die viel tiefer geht als jeder flüchtige Jubel. Wahrscheinlich lieben wir Fussball deshalb so sehr. Er spiegelt das echte Leben. Da läuft eben nicht immer alles glatt. Da zerbrechen Hoffnungen, da geht man enttäuscht nach Hause.
Auch im Glauben ist das so. Es gibt kein Versprechen auf Dauererfolg. Aber es gibt das Versprechen, dass wir im Schmerz nicht allein sind. Gerade dann, wenn etwas wehtut, entsteht Platz für echte Nähe und ehrlichen Trost.
Natürlich wird diese WM wieder Sieger feiern. Aber die Momente, die wirklich hängen bleiben, werden wahrscheinlich die sein, in denen Menschen trotz einer Niederlage eng zusammengerückt sind. Denn am Ende zählt nicht, ob man immer gewinnt, sondern wer neben einem steht, wenn man verliert.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine wunderbare Fussballzeit! Möge immer jemand da sein, der Sie auffängt, wenn es mal keine Siege zu feiern gibt.
Ihr Pfarreiteam